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Schnell mal eben eine SMS beantworten, das Navi programmieren, eine wichtige Eilmeldung lesen: Ablenkung durch Smartphones und andere Technik ist heute zu einem größeren Sicherheitsproblem als Alkohol am Steuer geworden. Eine neue Verkehrssicherheitsstudie belegt, dass sich 74 Prozent der Befragten durch Technik an Bord abgelenkt fühlen.

Das Allianz Zentrum für Technik (AZT), das Institut Mensch-Verkehr-Umwelt (MVU) und Makam Research befragten für die repräsentative Studie 1600 Autofahrer in Deutschland, Österreich und der Schweiz. 58 Prozent der Studienteilnehmer bedienen den Ergebnissen zufolge das Radio über das Bordmenü und nicht über die Fernbedienungstasten am Lenkrad, 39 Prozent bedienen das Navigationssystem während der Fahrt.

Interessant auch: 60 Prozent der Fahrer mit Unfallerlebnissen in den vergangenen drei Jahren nutzen ihr Smartphone während der Fahrt, aber nur 37 Prozent der unfallfreien Fahrer. Von den 3500 Menschen, die 2015 auf deutschen Straßen ums Leben kamen, starben 350, also jeder Zehnte, laut den Untersuchungen durch Ablenkung am Steuer. Alkoholassoziierte Unfälle zählen 256 Todesopfer.

Smartphones töten

„Früher galt Alkohol am Steuer als Kavaliersdelikt. Es war nicht verwerflich, nach mehreren Gläsern Wein Auto zu fahren“, bemerkt Allianz-Schaden-Vorstand Mathias Scheuber. Das sei gesellschaftlich heute nicht mehr akzeptiert, und zur gleichen Haltung müsse die Gesellschaft auch bei der Smartphone-Nutzung am Steuer kommen. „Es gibt kein Gewohnheitsrecht auf Ablenkung. Unsere Studie zeigt: Smartphones töten.“

Die Ergebnisse belegen die Dringlichkeit der Forderung des AZT, Ablenkung als Unfallursache in die amtliche Unfallstatistik aufzunehmen und die Straßenverkehrsordnung dem heutigen Stand der Kommunikationstechnik anzupassen. Obwohl die rechtlichen Regelungen bereits eindeutig sind, reichen sie nach Ansicht der Versicherung nicht aus. Gefordert seien nun auch die Auto-Hersteller, einerseits die Zieleinstellung des Navis, andererseits aber auch der Internetaufruf über das Bordmenü während der Fahrt zu sperren. Darüber hinaus sollten Notbrems-Assistenzsysteme verpflichtend in alle Neuwagen eingebaut werden. „Untersuchungen haben ergeben, dass bei flächendeckender Ausrüstung mehr als ein Drittel der Auffahrunfälle vermieden oder deren Folgen reduziert würden”, bekräftigen die Unfallforscher der Allianz.

https://www.allianzdeutschland.de/ablenkung-gefaehrlicher-als-alkohol/id_79645060/index