Close
© Ford-Werke GmbH

Von der State Street biegt man rechts ab, um in die Haupteinkaufsstraße Liberty Street zu gelangen. Nur, dass die Läden in der Straße allesamt Fassade sind. Denn MCity ist eine Geisterstadt. Hier wohnt niemand, hier wird nur Auto gefahren. MCity ist ein Testgelände, das sich auf dem Campus der University of Michigan in Ann Arbor/USA befindet.

Auf dem 130.000 Quadratmeter großen Gelände wird erprobt, wie vollautonome oder teilautomatisierte Fahrzeuge mit städtischen Verkehrssituationen, mit Fußgängern, Radfahrern und anderen Autos zurechtkommen. Im Sommer 2015 wurde das Gelände eröffnet, im November des Jahres testete Ford als erster Hersteller dort ein Forschungsfahrzeug mit optischem Laser-Sensor LIDAR und 3D-Karteen zur digitalen Darstellung der Fahrzeugumgebung.

Praxisnaher Einsatz

„Die Tests in ‘Mcity’ ermöglichen den praxisnahen Einsatz von autonomen Ford-Fahrzeugen, bei dem neue Technologien kontrolliert und sicher in einem stadtähnlichen Umfeld erforscht werden können”, sagte Raj Nair, Ford Group Vice President, Global Product Development. „Dies ist ein wichtiger Schritt für die Entwicklung von künftiger Mobilität“. Auch zahlreiche andere Automobilhersteller sowie Zulieferer nutzen die Einrichtung, um ihre Technologien zu testen.

Das 10-Millionen-Dollar-Projekt realisierte die University of Michigan in Zusammenarbeit mit dem Michigan department of transportation. Mehr als ein Dutzend Unternehmen – darunter die Hersteller Ford und General Motors sowie das Telekommunikationsunternehmen Verizon – fördern das Projekt im sogenannten Leadership Circle. Ein weiterer Kreis von 30 Unternehmen darüberhinaus sponsert Mcity.

Acht Kilometer Strasse zum Testen

Das Testgelände bietet acht Kilometer Straßen mit Kurven, Kreuzungen, Ampeln, Verkehrsschildern und Straßenmarkierungen, Gehwegen, Straßenlaternen und Hindernissen wie Baustellen-Absperrungen. Außerdem gibt’s auf dem Testgelände einen Tunnel, eine Brücke und einen Bahnübergang, 40 Gebäude-Fassaden und Fahrbanen mit unterschiedlichen Belägen sowie einen Kreisverkehr mit dem gelben M, dem Zeichen der University of Michigan, in der Mitte. Darauf können aktive Sicherheitssysteme wie Brems- und Ausweichassistenten getestet werden sowie Umfelderfassungs- und Kommunikationssysteme. Für den Test von GPS-Anlagen wurden die Hauptstraßen in exakter Nord-Süd- beziehungsweise Ost-West-Ausrichtung angelegt.

Die Vorteile einer städtischen Umgebung in einer Art Laborsituation liegen auf der Hand. „Auf öffentlichen Straßen werden sicher irgendwann alle möglichen Situationen eintreten, aber sie werden immer nur einmal eintreten,” sagte Peter Sweatman, Chef des Verkehrsforschungsinstituts an der University of Michigan. „Uns gefällt die Idee, dass wir kritische Situationen schaffen können, die wir so oft wiederholen können, wie wir wollen.“ Und vielen Herstellern und Zulieferern gefällt sie offenbar auch.